Streiflicht aus dem Kriterienausschuss

Zweimal im Jahr tritt der Kriterienausschuss zusammen, um über die Ausgestaltung des Anlageuniversums des FairWorldFonds zu beraten. Es werden nach eingehender Recherche Unternehmen, Länder und Förderbanken neu aufgenommen oder auch ausgeschlossen, wenn sie die Kriterien nicht mehr erfüllen. Der Ausschuss überprüft zudem kontinuierlich ob die an die Kriterien geknüpften Bedingungen weiterentwickelt und aktualisiert werden müssen. In den jüngsten Sitzungen wurden u.a. folgende Themen diskutiert:

Überprüfung der Kriterien

Modifizierung des Kriteriums „Gesellschaftliche Kohärenz“

Zu einer gerechten Gesellschaft gehört auch eine gerechte Einkommens­verteilung. In den für Staaten geltenden Ausschlusskriterien misst der Gini Koeffizient die Ungleichheit der Einkommensverteilung in einem Land. Für Industrieländer legt der FairWorldFonds einen Maximalwert von 40 fest. In fast allen Entwicklungs- und Schwellenländer findet man allerdings eine Einkommensspreizung vor, die diesen Wert überschreitet. Dies gilt auch für Länder, die signifikante Fortschritte bei der Armutsbekämpfung vorweisen können. Der Gini Koeffizient scheint für diese Länder kein sinnvoller Maßstab zu sein. Hier soll in Zukunft die relative Entwicklung des Wertes, also der Abbau oder die Zunahme der Einkommensspreizung im Land als Indikator herangezogen werden.

Das Anlageuniversum des FairWorldFonds

Beispiel: Aufnahme eines Landes - Brasilien

Das gute Finanzrating für Brasilien lässt eine Aufnahme in das Anlageuniversum des FairWorldFonds zu. Allerdings baut Brasilien umstrittene Großstaudämme für die Stromerzeugung und verfügt über Atomkraftwerke. Auf der anderen Seite hat das Land große Fortschritte in der Armutsbekämpfung gemacht und mit seinem „Null-Hunger-Programm“ erfolgreich den Hunger bekämpft. Diese Erfolge sind ausschlaggebend für die Aufnahme in das Anlageuniversum des FairWorldFonds.

Beispiel: Ausschluss eines Landes - Südafrika

Südafrika war aufgrund seiner guten Performance und unauffälligen Menschenrechtssituation bisher Teil des Anlageuniversums des FairWorldFonds. Im vergangenen Jahr wurde über zunehmende Menschenrechts¬verletzungen durch den Staatsapparat berichtet, wie z.B. die eskalierende Polizeigewalt bei Minenarbeiterstreiks Mitte 2012, durch die mehrere Menschen zu Tode kamen. Südafrika wird aus dem Anlageuniversum des FairWorldFonds entfernt.

Beispiel: Aufnahme einer Förderbank

Die Afrikanische Entwicklungsbank unterstützt mit ihren Krediten zahlreiche ökologisch und entwicklungspolitisch bedeutsame Projekte auf dem afrikanischen Kontinent. Allerdings engagiert sie sich nach wie vor auch in der Finanzierung von Kohlekraftwerken. Nach weiteren Recherchen und eingehender Prüfung empfiehlt der Ausschuss dennoch, die Bank in das Anlageuniversum des FairWorldFonds aufzunehmen, da die Entwicklungsbank mit ihrer neuen Energiesektorstrategie insgesamt auf eine Hinwendung zu kohlenstoffarmer Entwicklung und erneuerbaren Energien setzt.

Beispiel: Aufnahme eines Unternehmens

Ein in Indien ansässiges Unternehmen produziert und vertreibt Generika und leistet damit einen Beitrag zur kostengünstigen Bereitstellung von Medikamenten. Es engagiert sich aktiv für die bessere medizinische Versorgung und Bildung der ländlichen Bevölkerung Indiens. Mit dem Green Chemistry and Engeneering Ansatz legt es großen Wert auf die Reduzierung des bei der Produktion anfallenden Giftmülls. Das Unternehmen wird in das Anlageuniversum des FairWorldFonds aufgenommen.

Beispiel: Ablehnung eines Unternehmens

Ein Unternehmen produziert und entwickelt Produkte der Umwelttechnik, mit der Energie und Wasser eingespart werden können und Wasser gereinigt wird. Bei näherer Prüfung fällt auf, dass es auch Zentrifugen baut, die  auch im Nuklearbereich bis hin zur Entwicklung von Nuklearwaffen eingesetzt werden können. Das Unternehmen wird nicht in das Anlageuniversum des FairWorldFonds aufgenommen.