Unternehmensporträt der Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA) - ein im FairWorldFonds aufgenommenes Unternehmen

Von Karin Bassler, Referentin Finanzmarktordnung und ethische Geldanlagen bei „Brot für die Welt“; August 2012

Welcher Markenname ist so bekannt, dass er das Wort „Papiertaschentuch“ ersetzen kann? „Tempo“ natürlich. Hergestellt werden die Produkte der Marke „Tempo“ seit 2007 vom Unternehmen SCA Tissue Europe, das zur schwedischen Aktiengesellschaft SCA - Svenska Cellulosa Aktiebolaget gehört. SCA hat weltweit ungefähr 44.000 Mitarbeitende, die an über 100 Standorten weltweit nicht nur Hygieneartikel und Papiertücher, sondern auch Holzprodukte, Papier und Verpackungsmaterial herstellen. Im Zentrum der Produktpalette des 1929 gegründeten Unternehmens stehen jedoch Gebrauchsgüter, die unmittelbar das Grundbedürfnis nach Sauberkeit und Hygiene befriedigen. Babywindeln, Damenbinden, Toilettenpapier, Inkontinenzeinlagen, Taschentücher etc. sind aus sozialer Sicht nützlich und sinnvoll. Was aber macht die Aktiengesellschaft zu einem Vorzeigeunternehmen im Anlageuniversum des entwicklungspolitisch ausgerichteten FairWorldFonds? Dafür müssen eine ganze Reihe weiterer Kriterien erfüllt sein.

Hygiene-Produkte für die Armen im Süden

Um zunächst bei den Produkten zu bleiben: Wenn besonders benachteiligten Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern der Zugang zu sozial sinnvollen Produkten eröffnet und damit die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse ermöglicht wird, dann können diese Produkte zur Entwicklung beitragen. SCA verfolgt dieses Ziel auf mehreren Wegen. Zum einen hat das Unternehmen neue Geschäftsmodelle für Märkte in Lateinamerika, Südostasien und den Mittleren Osten entwickelt, die auf die Bedürfnisse von Kunden aus unteren Einkommensschichten zugeschnitten sind. So wurden die Verpackungsgrößen verringert, damit Kunden ohne Einbußen bei der Hygiene eine oder zwei Rollen Toilettenpapier kaufen können und nicht gleich zehn auf einmal bezahlen müssen. Da die angesprochene Zielgruppe wenig mobil ist, werden diese kleinen Einheiten gezielt über wohnortnahe, familiengeführte Läden vertrieben.

Der andere Weg führt über Schulungen und Fortbildungen. Inkontinenz ist vielerorts ein Tabuthema, das für die Betroffenen und ihre Angehörigen mit Scham und Leid verbunden ist. In China wurde ein Programm zur Pflege alter Menschen entwickelt, das bisher 200 Familien in Shanghai professionelle Hilfe bei Inkontinenz und Pflegebedürftigkeit vermittelt hat und dem in der Kultur verwurzelten Bedürfnis entgegenkommt, alte Familienangehörige zuhause zu betreuen. Im Bereich Schulungen ist SCA nicht nur aus kommerziellem Interesse tätig, sondern auch auf Spendenbasis. So wurden im Rahmen einer Partnerschaft mit einer Entwicklungshilfeorganisation im Sudan sanitäre Einrichtungen installiert und Workshops zu Hygiene an Schulen durchgeführt. Mit Sachspenden unterstützt SCA u.a. auch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in Äthiopien, wo Hygieneprodukte für Frauen bereitgestellt wurden.

Menschenrechte am Arbeitsplatz

Aber nicht nur auf die Produkte, sondern auch darauf, wie sie hergestellt werden, kommt es an: Unter welchen Bedingungen arbeiten die Mitarbeitenden in Entwicklungs- und Schwellenländern? SCA hat dazu einen Verhaltenskodex entwickelt und umfangreiche Maßnahmen getroffen, damit Menschenrechte und die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation im gesamten Einflussbereich des  Unternehmens beachtet und Korruption und Bestechung verhindert werden. Jährlich werden mit Hilfe der Organisationen „Transparency International“ und „Amnesty International“ die Länder identifiziert, in denen die höchsten Risiken in Bezug auf Korruption und Menschenrechtsverletzungen zu erwarten sind. Das Unternehmen gibt an, dass ca. 23 Prozent der Einkäufe  aus entsprechenden Risikoländern wie China, Kolumbien oder Russland stammen. In diesen Gebieten werden verstärkt Schulungen angeboten und Beobachtungen durchgeführt, um Verletzungen des Verhaltenskodex zu verhindern und zu ahnden.

Weltweit haben 98 Prozent der Belegschaft von SCA an entsprechenden Schulungsveranstaltungen teilgenommen. Die Einhaltung des Kodex wird durch externe Audits überprüft und Verstöße und Maßnahmen zu deren Behebung werden veröffentlicht. So wurde 2011 bei der Überprüfung der Niederlassung in Malaysia festgestellt, dass der vor Ort gezahlte Lohn nicht zur Deckung der Grundbedürfnisse ausreicht und eine Lohnerhöhung in die Wege geleitet. Formelle Arbeitsplätze anzubieten, die ein Einkommen sichern, von dem die Mitarbeitenden und ihre Familien leben können, sind ein wesentlicher Beitrag zur Entwicklung eines Landes. Bei SCA gelten die Verbote informeller Arbeit und von Kinder- und Zwangsarbeit auch für die Zulieferer, ebenso wie Mindestanforderungen an die Arbeitsbedingungen in Bezug auf  Gesundheit, Hygiene, Sicherheit, Diskriminierung, Arbeitszeit, Mindestlöhne, Versammlungsfreiheit und Tarifverhandlungen. SCA überprüfte kürzlich gezielt chinesische Zulieferer und stellte entsprechende  Verstöße fest, die zwar eher ein geringes Ausmaß hatten, aber nichtsdestotrotz umgehend behoben werden sollen.

Verantwortung für die Umwelt

Menschen- und Arbeitsrechte sind aus entwicklungspolitischer Perspektive ein zentrales Thema, aber auch der Klimawandel bedroht die Entwicklungschancen armer Menschen im Süden. SCA ist sich seiner Verantwortung in dieser Hinsicht bewusst und engagiert sich für den Klimaschutz sowohl bei der Produktgestaltung als auch im Umweltmanagement. Das Unternehmen ist der größte Wiederverwerter von Sekundärfasern innerhalb Europas und sammelt und verwertet jährlich 1,6 Millionen Tonnen Altpapier. Außerdem sind die meisten hergestellten Produkte nahezu 100% recyclingfähig. Umfassende Richtlinien zur Senkung des CO2-Ausstoßes und des Energie- und Wasserverbrauchs gelten für die gesamte Geschäftstätigkeit. Das Unternehmen setzt auch in dieser Hinsicht auf Transparenz und liefert jährlich Daten zum CO2-Fußabdruck seiner Hygieneprodukte. Die Zulieferer werden ebenfalls zur Einhaltung ökologischer Mindeststandards verpflichtet. SCA ist der größte private Forstbesitzer Europas und hat seine gesamten Waldflächen nach den Prinzipien des „Forest Stewardship Council“ (FSC) zertifiziert. Herausragend ist auch eine weitreichende Artenvielfaltsrichtlinie, die fünf Prozent der Waldflächen des Unternehmens als Biodiversitätssphäre vom Holzabbau ausnimmt.

In vielerlei Hinsicht ist SCA also ein vorbildliches Unternehmen und wurde darum vom Kriterienausschuss des FairWorldFonds  in das Anlageuniversum aufgenommen. Das heißt jedoch weder, dass es keine Möglichkeiten zur Verbesserung gäbe – wünschenswert wären z.B. spezielle Fördermaßnahmen für Mitarbeiterinnen in Entwicklungs- und Schwellenländern – noch, dass das für immer so bleiben muss. Alle Unternehmen, in die der FairWorldFonds investiert, werden regelmäßig daraufhin überprüft, ob sie den Kriterien weiterhin entsprechen und sich für entwicklungspolitisch engagierte Anleger eignen.

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